Weinszene /

Bruno Verdi

...angeborene Qualität
Territorien

Heute berichte ich über meinen Besuch der Azienda Bruno Verdi, eines der repräsentativsten Weingüter dieser Region was die Qualität der Weine betrifft.

Begleitet von Mario Maffi, der alle wichtigste Weingüter des Gebiets und deren Erlebnisse kennt, begegne ich Paolo Verdi  im Hof, wo er uns die Geschichte des Unternehmens und der Familie erzählt.

Die Entstehung

Der Vater von Paolo hat in den 50er Jahren angefangen, aus einem rustikalen Gebäude das Anwesen aufzubauen. In den Zimmern neben dem Eingang befand sich einst die Scheune. In 25 Jahren wurde vieles erreicht und errichtet. Teil für Teil hat sich das Anwesen im Laufe der Jahren vergrößert, und wenn man durch die Räume geht, merkt man die Unterschiede im Ambiente, die zu  den verschiedenen Zeitraumen gehören.

Im Jahr ´74 erweitert die Familie den Weinkeller, der heute auf drei Etagen liegt, mit einer Terrasse auf der Obersten. Allmählich werden die Räume noch umstrukturiert und vergrößert. Vermütlich befindet sich ein antiker Eiskeller unter dem Hof, der hoffentlich bald wieder ans Licht kommen wird.

Im Weinberg

10 Hektar Weinberge, mehr als ein Drittel davon terrassiert, ergeben die Trauben des Weinguts. Der Boden ist kalkhaltig, der Sandanteil ist überall bedeutend, Lehm ist auch vorhanden und mit etwas Tongehalt. Die weißen, kalkhaltigen Böden mit einem guten Anteil an Sand, bieten optimale Bedingungen  für Schaumweine, Riesling, Moscato und Malvasia. Ein ganz besonderer  Teil des Weinbergs schenkt den Weißweinen einen sehr niedrigen pH-Wert, höheren Extraktgehalt und sehr gute Aromen. Was die Rotweine betrifft, findet man hier die besten Bedingungen für die lokale Rebsorte Croatina.

Die Trauben werden in Kisten von Hand gelesen und in die Presse von Hand geleert. Die Bewirtschaftung ist noch konventionell, aber man arbeitet hier mit großer Sorgfalt, unter Verwendung von Bio-Produkten und in vielen Vorgehensweisen sogar über die Bioanforderungen hinaus, vor allem im Keller. Die Messung von Schwefeldioxid ergibt Werte unter den Bio-Vorschriften. Die eingesetzten Klärmittel sind vegetarisch – keine tierischen Derivate. Die Bio Zertifikation wird in Zukunft beantragt.


Dank der anerkannten Qualität findet man die Weine von Paolo im Restaurant „Era Ora“ in Kopenhagen, ein Sterne-Restaurant, das laut dem Guide Michelin, die Nummer eins unter den italienischen Restaurants der Welt ist.

Paolo möchte in Zukunft die Produktion erhöhen, die bepflanzte Fläche mit der Zeit vergrößern und das Unternehmen weiterentwickeln. Nur mit dem direkten Verkauf, und sogar ohne Werbung, sind die Mengen nicht immer ausreichend, um die Anfrage zu erfüllen. Die Spitzenweine sind oft früher ausverkauft als erwartet.

Im Weinkeller

Es werden in der Produktion fast manische Maßnahmen verwendet, um den Kontakt mit Sauerstoff zu verhindern: Membranfiltrationen unter geschlossenen Glocken; Schläuche mit Wasser gefüllt und mit Stickstoff entleert, zur Übergabe von einem Tank in den anderen, um unter völliger Abwesenheit von Sauerstoff zu arbeiten

ich wollte am liebsten flache Schläuche verwenden, die nur dann quellen, wenn die Flüssigkeit durchläuft, wie bei der Feuerwehr“

die Tanks, in die der Wein überführt wird, werden zuerst mit Wasser gefüllt und das Wasser anschließend mit Stickstoff entleert.

Der eingeschlagene ökologische Weg besteht darin den Wein, mit entsprechender Ausrüstung, so wenig wie möglich anzufassen – es werden z.B. peristatische Pumpen verwendet, um die Beerenschalen zu schützten.

Kleine Details, die den Unterschied in der Qualität machen. Man muss hierzu die Tatsache berücksichtigen, dass diese angestrebte Perfektion dazu führt, dass der Wein mehr Zeit braucht um zu altern.

Wir gehen durch den Keller und werden auf eine Pupitre aufmerksam gemacht, auf der einige Flaschen seit langer Zeit ruhen:

dies sind Flaschen von ´95, die das Alter meines Sohnes haben: 23 Jahre auf der Hefe!“ sagt Paolo. 

Durch eine Kostprobe wurde festgestellt, dass sie sich sehr gut gehalten haben.

Die Sektflaschen des Hauses haben unterschiedliche Füllmengen, bis zu 12 Liter. Eine vertikale Verkostung, aus der normalen Flasche bis zur „Balthazar“, wurde in diesem Jahr geplant.

Durch eine Passage kehren wir in die 50er Jahre zurück . Hier hat man das Gefühl, sich in einem alten Keller zu befinden, der  jedoch technisch modifiziert und modernisiert wurde. Hier befinden sich Zementtanks, die mit Kühlplatten ausgestattet sind.

„Als ich anfing, wollte ich die Zementtanks durch Stahltanks ersetzen, aber zum Glück tat ich es nicht“ erzählt Paolo.

Bruno Verdi - Flaschen der Vergangenheit
Historische Flaschen aus der Vergangenheit

Wir begeben uns dann in ein Teil des Gebäudes, das Ende des 18. Jahrhunderts zurückreichen sollte. Hier erzählt uns Paolo über den „Cavariola“, dem Spitzenreserverotwein des Hauses, für den die Anerkennung des Cru beantragt wurde. Der erste Jahrgang des Cavariola ist der ’85. Alle Jahrgänge des Cavariola sind hier aufbewahrt.

In eimen kleinen Saal werden die alten Etiketten aufbewahrt. Der erste Schaumwein, aus dem Jahr ´81, und einige Flaschen, die aus den Zeiten des Großvaters und des Vaters stammen. Der Großvater von Paolo verkaufte damals die Trauben und den offenen Wein. Der Vater begann später mit der Abfüllung und auf den Flaschen ließ er den Namen des Großvaters, Verdi Alfredo, drucken. Heute zeigen die Etiketten den Namen des Vaters von Paolo, Bruno Verdi.

Der junge Sohn von Paolo ist schon mit Herz und Seele im Unternehmen tätig, die Tochter hat das Önologie-Studium angefangen. Leidenschaft wird übertragen.


Die Weine

Bruno Verdi – OP Metodo Classico – Vergomberra Docg 2013 – Degorgierung: Nov. 18

Schaumwein nach traditionellem Verfahren – Dosage Zero – 42 Monate auf den Hefen – 70% Pinot Nero, 30% Chardonnay 12,5% Vol. – RZ 2,8 G/L –

Die Produktion von Schaumwein begann im Jahr 1981. Der Schaumwein Vergomberra, von Fachmagazine mehrmals ausgezeichnet, ist klassisch in der Flasche vergoren,  wird nicht dosiert und in keiner Weise verändert.

Die Gärung erfolgt bei 15 Grad und bleibt dann immer unter 10, um eine malolaktische Gärung zu vermeiden. Jeglicher Kontakt mit Sauerstoff wird sorgfältig vermieden. Die einzigen Dekantierungen in Zementtanks erfolgen nach der alkoholischen Gärung und bei der Cuvée Vorbereitung. Er wird zweimal degorgiert, nach 42 und nach 50 Monaten. Nach der Degorgierung ruht der Schaumwein noch einige Monate .

Verkostungsnoten: sehr helle farbe, total sauber, harmonisch, fein und elegant, optimale Balance, frisch-fruchtig, mit langem Abgang. Da es sich um ein Jahrgangswein handelt, spielen die Eigenschaften des Jahrgangs einen großen Einfluss. Er ist noch sehr frisch, blumig, mit einer balsamischen Note, Anis, Fenchelsamen, Kräuternoten.

„Jeder Jahrgang weist Unterschiede und besondere Eigenschaften. Die Aufmerksamkeit auf den Säuregehalt ist wichtig, jedoch sollten die Trauben nicht zu früh geerntet werden, da sonst die Substanz fehlt. Wir führen Test-Degorgierungen, um die Entwicklung  unter Kontrolle zu halten und, vor allem, lege ich immer viel Wert auf extreme Sauberkeit“

Bruno Verdi – OP Riesling Vigna Costa Doc- 2016

100% Rheinriesling- 13% Vol. Den Welschriesling produziert das Weingut seit 30 Jahren, aber dieser Rheinriesling wurde hier durch einen Zufall hergestellt. Ein Landwirt aus der Gegend bot Paolo 1986 Rheinriesling-Trauben an. Er entdeckte dabei den besonderen Duft, und beschloss diese Produktion deshalb weiterzuführen.

Der große Sprung im Geschmack erfolgt bei diesem Wein nach anderthalb Jahren, er entwickelt dann eine markante Mineralität und die Petrolnoten nehmen zu.

Verkostungsnoten: Helles goldgelb, geruchsintensiv, zart aromatisch, markante mineralische Töne; weich, von guter Fülle, mit einer subtilen, angenehm sauren Ader;  der Abgang ist lang und angenehm.

Serviervorschläge: Tortelli und Kürbis-Gnocchi, warme Vorspeisen mit Schalentieren, Fischsuppe und Paté.

Zuhause haben wir auch den Riesling Italico 2017 Frizzante verkostet: Intensives Strohgelb mit grünlichen Nuancen. Duftend, zart fruchtig, mit Noten von Blüten, Aprikose und Pfirsich. Im Mund erfrischende, helle Früchte, leicht prickelnd, trocken, harmonisch, mit einer angenehmen und langen Ausdauer.

Bruno Verdi – OP Buttafuoco Doc – 2017 –

Croatina 65% Barbera 25% Uva Rara % – Stiller Rotwein – 13,5% Vol. – Eine kalte Mazeration wird durchgeführt, um eine niedrigere Tanninlast zu erhalten. Nach der Pressung wird die Temperatur auf 8° gesenkt und während 3 Tagen werden Remontagen mit Stickstoff durchgeführt: der „Maischekuchen“ wird durchfeuchtet, um die Farb- und Aromastoffe aus den Beerenschalen zu extrahieren.

Bruno Verdi - Buttafuoco 2017 2017
Bruno Verdi - Buttafuoco 2017

Die Gärung erfolgt zu 50% der Zeit mit der Schale und weitere 50% ohne. Somit werden weniger an Tannine geladen und frischere Aromen erzielt. Die Tannine sind fruchtig und zart.

Verkostungsnoten: intensives und brillantes Rubinrot mit violetten Tönen; volles, harmonisches Bukett mit Noten von kleinen roten Früchten. Am Gaumen weich, voll, frisch, leicht tanninhaltig, von ausgezeichneter Struktur.

Serviervorschläge: herzhafte erste Gänge, Rotes Fleisch-Braten, Käse

Bruno Verdi – OP Barbera Campo del Marrone Doc – 2015

Bruno Verdi - Barbera Campo del Marrone 2015
Bruno Verdi - Barbera Campo del Marrone 2015

15,5% Vol. – 100% Barbera – Brillantes Rubinrot mit violetten Reflexen. Intensives, volles und harmonisches Bukett mit Noten von Veilchen, Leder, Tabak , Minze und pfeffrigen Nuancen. Ausgewogen, voll im Mund, langer Abgang mit Kirschenaromen.

Serviervorschläge: geschmortes Fleisch, Wild, rotes Fleisch, gereifte Käsesorten.

Bruno Verdi – OP Rosso Riserva Cavariola Doc – 2015

Bruno Verdi - Cavariola Rosso Riserva1996
Bruno Verdi - Cavariola Rosso Riserva1996

Croatina 55% Barbera 25% Uva Rara 10% Ughetta di Canneto 10%

Dieser Wein ist der große Cru des Weinguts, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er wird nach 3 Jahren im Keller und 8 bis 10 Monaten in der Flasche vermarktet, erreicht jedoch nach weiteren 2 – 3 Jahren sein Maximum.

„Im Jahr ´99 hatte ich einen Überschuss an Tonneau und bin auf die Idee gekommen, sie für die Vinifizierung zu verwenden. Ich verglich das Ergebnis zwischen Tonneau und Zement-Tanks und bemerkte ein völlig anderes Ergebnis, und zwar eine sehr weiche Entnahme im Tonneau.“

Der Most unterliegt fast einem Monat der Mazeration mit dem regelmäßig, von Hand durchgeführtem, Wiedereintauchen des Tresterkuchens. Diese Art Vinifizierung ist ein Rückkehr in die Vergangenheit. Auf dieser Weise produzieren sie heute den ganzen Cavariola und den Barbera.

Nach der Mazeration wird der Most für 2 bis 3 Tage in einen Zementtank gegeben, zum ersten Mal dekantiert, teilweise auch in den Tonneau . Auch hier werden keine Hefen verwendet. Dann wird es zur malolaktischen Gärung 1 bis 3 Monate, in einem beheizten Teil des Kellers, in eine Barrique gestellt. Nicht die Barrique wird beheizt, sondern die Umgebung. Am Ende der malolaktischen Gärung wird er in derselben Barrique gelagert, wo er bis zum folgenden Juli lagert. Die Messung von Schwefeldioxid ist unter den Bio-Vorschriften. Die verwendeten Gelees sind nur vegetarisch – keine tierische Derivate.

"Follatore"
„Follatore“: Holzwerkzeug zum manuellen Wiedereintauchen des Tresterkuchens

Verkostungsnoten: Intensive und brillante Rubinfarbe, die mit zunehmendem Alter granatrot wird. Komplexes Aroma mit klaren Gewürznoten von Zimt bis Muskatnuss mit subtilen Noten von Unterholz. Gute Balance, außergewöhnliche Kraft, trockener Geschmack, edel und samtig mit dem Alter. Die Entwicklung im Glas ist außergewöhnlich; nach der Sauerstoffzufuhr entfalten sich vorzügliche Aromen.


2016 führten sie vier verschiedene Vinifikationen durch, je nach Zone. Der Weinberg ist in den Jahren gewachsen und in den verschiedenen Bereiche befinden sich die Weinreben der  40er, 90er, 03er und 06er Jahre: verschiedene Zonen, verschiedene Trauben, verschiedene Barriques. Eine Idee für die Zukunft ist verschiedene Etiketten zu produzieren, mit etwa 300 Flaschen pro Barrique.


Wir verabschideten uns von Paolo mit einem Gefühl von wiederentdeckten Traditionen und mit dem Wunsch, seine Projekte für die Zukunft bald verwirklicht zu sehen!

Verfasst nach Besuch von Weinwelt Italien