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Colle del Bricco

...das Terroir im Glas
Territorien

Colle del Bricco liegt in der Valle Versa und hier haben wir Matteo kennengelernt; ein junger, engagierter Winzer, für den Eines fest steht: er will das Terroir im Glas wiederfinden.

Terroir ist das Wort, auf das die lokalen Winzer großen Wert legen.

Großen Wert legt er darauf, seinen Weinen die Eigenschaften des Weinbergs zu übertragen. Seine Produktion spiegelt die Typizität des Weingebiets wider: Riesling, Bonarda, Barbera und, noch in der Projektphase, zwei Reserven: Pinot Nero und Buttafuoco.

Das Unternehmen ist jung und im Wachsen, arbeitet an Projekten, welche die Weine und die  Weingutstruktur allmählich vervollkommnen sollen. Die Weinberge liegen auf einer Höhe zwischen 50 und 250 M. und zählen 5 Ha. Die Arbeit im Weinberg erfolgt komplett von Hand. Die Produktion beträgt um die 8000 Flaschen/J.

Das Terroir im Weinberg und im Keller:

Alle Arbeitsvorgänge im Weinberg werden manuell durchgeführt. Im Weinberg werden keine Herbizide und keine Dünger verwendet. Es kommen nur Produkte zum Einsatz, die nicht ins lymphatische System der Pflanzen gelangen. Eine kontrollierte Begrünung wird für die Bodengesundheit angewendet. Wenn nötig, wird  ein mechanischer Cutter benutzt, um die Erde zu bearbeiten und die Wurzeln atmen zu lassen.

Das angewandte Schnittsystem ist der Guyot-Rebschnitt nach der Simonit Methode (sanfter Rebschnitt). Alle Reben werden allmählich auf diese Methode umgestellt. Matteo legt großen Wert auf die Arbeit im Weingut und er führt sie mit Sorgfalt und Leidenschaft aus. Im Weinkeller sieht er dann die Ergebnisse und seine Aufgaben  im Weinkeller werden somit auf die üblichen Qualitätskontrollen reduziert. Die Trauben werden von Hand gelesen und es werden keine Reinzuchthefen verwendet.

Die Weißweine gären in temperaturkontrollierten Edelstahltanks, nach einer sanften, Ganztraubenpressung.  Die Gärung der Rotweine startet spontan, durch native, nicht ausgewählte Hefen aus Weinberg und Keller, eingeleitet mit einem Most . Die Weißweine unterliegen einer Klärung und einer Flitration; die Rotweine werden einmalig, unmittelbar vor der Flaschenabfüllung filtriert.

Die meiste Arbeit erfolgt im Weinberg, doch auch dort ist der Ansatz nicht invasiv.

Ich versuche immer Notwendigkeitsbegrenzt zu arbeiten“,  erzählt uns Matteo,

„wenn eine Behandlung nicht notwendig ist, dann führe ich die nicht durch. Ich begrenze mich auf die vorgeschriebene Behandlungen“.

Also beantworten wir jetzt die Frage, wie schmeckt hier das Terroir?

Das Terroir im Glas

Wir begeben uns in den Verkostungsraum und setzen uns auf  Stühlen, die von Matteo mit Barrique-Stäben gebaut wurden. Er erzählt uns, daß er in diesem Raum auch Weinflaschen von anderen Produzenten ausstelle, die ihm besonders geschmeckt hätten. Für ihn sind die anderen Winzer keine Konkurrenten, sondern Kollegen.

Die Etiketten des Hauses sind nur vier. Sich auf wenige Etiketten beschränken, die das Terroir darstellen und das volle Engagement darauf zu setzen, ist das Ziel:

„Ich beschloss, mich auf die autochthonen Weine zu konzentrieren, die das Gebiet am besten ausdrücken. Der gewinnende Punkt ist dabei der Wein, der das Territorium ausdrückt und von daher nur hier, mit diesen Eigenschaften  hergestellt werden kann. Die Qualität in diesem Weingebiet ist hoch, das Oltrepò ist aber ein noch ungeborener Stern.“

Matteo Maggi

Die Namen der Weine stammen alle aus der griechischen Welt, wegen der Leidenschaft von Matteo für die  antike griechische und römische Geschichte.

Colle del Bricco – Khione Riesling Doc – 13%

Khione, die Schneegöttin, weil der Riesling die besten Ergebnisse in kühleren lagen bringt.

Es ist ein Welschriesling, Riesling Italico 100%. Matteo erzählt, daß er am Anfang ein wenig unschlüßig war, für welche Rebsorte er sich entscheiden sollte, Rheinriesling oder Italico. Dann hat er aber entschieden, gegen den Strom zu schwimmen: er hat die Stärke der Italico-Rebe darin gefunden, dass sie sich von allen anderen unterscheidet, und jetzt macht er stolz damit weiter. Wir haben diesen Wein besonders geschätzt.

Helles Strohgelb mit grünlichen Nuancen. Blumig und fruchtig, Aromen von Birne und ein Hauch tropischer Früchte, da in diesem Jahr der Sommer sehr heiß war. Frisch, guter Säuregehalt, trocken. Die Weichheit, die wir wahrnehmen, ist nur auf Alkohol und Glyzerin zurückzuführen, da der Restzucker 0,1 beträgt. Vom selben Riesling haben wir den Jahrgang 2016 probiert. In diesem Wein sind die Aromen reifer und weicher als in dem des jüngeren Jahrgangs.

Colle del Bricco – Makedon – Bonarda Doc – 14%

Derzeit ist er der repräsentativste Wein des Unternehmens. Voriges Jahr ist dieser Bonarda mit zwei „Gläser“ vom Gambero Rosso bewertet worden: 89/100 von Veronelli und 88/100 von Andreas Larsson.

Sehr fruchtig, Brombeeren, Kirsche, Pflaume, Sauerkirsche; neigt zu sehr reifen dunklen Früchten, mit einem Hauch von Lakritze, was sich nach einigen Minuten im Glas ausdrückt. Körper, Polyalkohole und Glyzerin, erzeugt durch den Alkoholgehalt, geben eine angenehme Weichheit, die die Säure und Tannine gut ausgleicht. Im Mund ist er voll, reich und reinigt den Mund sehr gut. Angenehm im Abgang, mit einem leichten Tannin, das die Zunge nicht austrocknet.

Als dieser Wein in der Projektphase war, wurde am Tisch diskutiert ob für diesen Wein noch Verbesserungen nötig wären, und plötlzlich stand die Flasche leer da: das war wohl dann die Antwort darauf und die Wahl war offensichtlich richtig, denn es ist der meist prämierte Wein des Unternehmens.

Moussierender roter Wein, ziemlich ungewöhnlich für den nordeuropäischen Geschmack. Nach der Verkostung aber, erzählt Matteo, daß seine Gäste aus dem Norden begeistert waren.

Colle del Bricco – Stafilo – Barbera Doc 2013 – 13,5%

Stafilo heißt Traube. „Barbera, die Lieblingsrebe meines Großvaters“, erzählt Matteo. Dieser Weinstock ist sehr vom Territorium beeinflußt. Obwohl wir hier in Norditalien, auf einem kleinen Gebiet mehrere Doc Bezeichnungen in drei benachbarten Regionen haben, hat  jede seine eigene Charakteristik und  den eigenen Stil.

Barbera 100% Rubinrote Farbe. Die Aromen sind  intensiv und sauber mit angenehmen Andeutungen von schwarze Beeren, Maraska-Kirsche und Veilchen. Weich im Geschmack, mit guter Struktur und Ausdauer.

Matteo erzählt uns über einen weiteren Wein, den wir gerne demnächst probieren werden:

Colle del Bricco – Agrios – Croatina IGT

Agrios heisst Rebell. Dieser Wein ist der Rebell, der anfangs nicht einmal produziert werden sollte. Die Rebe Croatina ist die Basis vom Bonarda, der ein moussierender Wein ist. Agrios wurde dagegen in der stillen Version produziert und zu IGT heruntergestuft: also ein richtiger Rebell, der beschlossen hat, aus der Reihe zu tanzen.

Colle del Bricco - Croatina

Matteo erzählt uns auch von Plänen für die Zukunft, aber wir werden noch Gelegenheit haben, darüber zu sprechen.

Verfasst nach Besuch von Weinwelt Italien